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Finnland – Wie war es?

Der berühmteste Berg Finnlands ist nur ein paar hundert Meter hoch aber auf der 2Euro Münze zu finden.

Nach 6 Wochen Schweden sind wir nun etwas mehr als 3 Wochen durch Finland zickzack nach Süden gereist.
Man wirft die Länder ja schnell in einen Topf, auch wenn man wie wir schon ewig nach Skandinavien reist und doch gibt es speziell zwischen Finnland und den anderen Ländern Unterschiede. Die sind natürlich in jeder Reiseform unterschiedlich.
Aufgefallen war uns als erstes wie vermüllt die Parkplätze waren, wie wenig Toiletten es gab. Das mussten wir weiter südlich bereits relativieren und stellten fest, dass es in Finnland am Meer tatsächlich relativ häufig kostenlose heiße Duschen gibt. Damit hatten sie uns natürlich!
Wir hatten die Finnen mehr lieb als eine Katze die auf Fressen hofft.

Was uns sofort auffiel, war dass im Gegensatz zu Schweden, wo die Besiedelung nach oben immer mehr abnimmt, besonders im Binnenland, hier eigentlich eine stetige Besiedelung vorherrscht. Die erwarteten Dauerwälder mit tausenden Seen waren so nicht offentsichtlich. Eher viel Kulturland auf Breitengraden, wo in Schweden oft nur noch Wälder vorherrschen. Auch für die eigentlich geringe Bevölkerung (wovon man nichts spürt) sehr hohe Dichte riesiger Einkaufszentren mit gigantischen Läden (zB Prisma mit wahnsinnig gutem Sushi nebenbei).
Man kann gar nicht glauben, dass Finnland bei nur 5 Mio Einwohnern es schafft in jeder kleineren Stadt diese Gigamärkte zu betreiben und doch genug umzusetzen. Das muss an dem hohen Einkommen liegen. Denn die Finnen shoppen scheinbar für ihr Leben gerne und so erlebten wir immer wieder, dass eigentlich alles irgendwie eine verkappte Shoppingmall ist und sei es noch so ein beschauliches Dorf wie das Fiskers Village.



Aber dass es in Finnland nichts für lau gibt ist eben auch nicht richtig. Wenn es um ihre Natur geht klotzen die Finnen richtig. Sie richten überall Nationalparks ein, die extrem gut genutzt werden, mit kostenlosen Zeltplätzen, tollen Wanderwegen und einem unglaublichen Equipment, dass auf den Wanderungen jedem zu Verfügung steht, von Feuerstellen mit kompletten Topfset, Streichhölzern, Holz, Äxten und Sägen bis hin zu kleinen Hütten und Ruderbooten, um Seewege zu überqueren. Auch fanden wir an mehreren Stellen im Land Wäschewaschanlagen am Wasser, an denen man komfortabel per Hand seine Wäsche waschen und anschließend mit einer Handmangel trockener drücken konnte. Es gibt sogar richtige mit Holz betriebene Außenküchen oder riesige Basketballfeld große Grillhütten. Auch die meisten Fähren sind wie in Schweden kostenlos.

Ansonsten wurde einem vorher im Internet erklärt, dass Finnen nicht gerne reden. Ein einziges mal das Radio anschalten und dem DJ zuhören, der keine Sekunde die Fresse halten kann, während er am Samstag einen Hit nach dem anderen auflegt straft diese Aussage lügen. Auch die Behauptung Finnen würden nicht grüßen stimmt – sagen wir mal – bedingt. Sie sind eher verwundert und während manche reflexartig zurückgrüßen sieht man anderen noch an, dass sie sich mit dem Gedanken noch auseinander setzen, was sie jetzt tun sollen, während sie an uns vorbei ziehen. Aber eins tuns sie nicht, woran man Deutsche überall auf der Welt sofort erkennt. Sie versuchen nicht unbedingt wegzusschauen, als hätten sie dich nicht bemerkt, wenn du ihnen in einem Wald begegnest.

Auffällig ist, wie jung die Eltern hier oft sind. Wahrscheinlich dem sehr frühen Wohlstand geschuldet sind Familien hier sehr jung und haben mit Anfang 20 oft 3 Kinder oder mehr und sehen dabei dennoch nach sehr gutem Auskommen aus (Auto, Haus, Essen gehen, Ausstattung usw).

Hunde dagegen sind in Finnland ein Mysterium. Auf unserer Reise waren sie fast überall verboten, ganz besonders am Wasser. Gleichzeitig hatten wir das Gefühl, dass wenn ein Finne Hunde hat, sind es immer gleich zwei.



Das Jedermannsrecht gilt auch in Finnland wird aber hauptsächlich in den Nationalparks angewandt. Eben genau dort, wo es in anderen Ländern gar nicht ginge. Generell ist es außerhalb von Nationalparks eigentlich kaum möglich ein Zelt aufzustellen, da es einfach an Orten mangelt, wo das möglich wäre. Mit dem Van geht das, da es grundsätzlich erlaubt ist, aber abgesehen von der Seenplatte, gab es wenige schöne Plätze wo es nicht verboten war. Außerdem ist der Finne scheinbar viel bedachter auf das Gegenteil von Jedermannsrecht, denn nie zuvor in Skandinavien haben wir so viele Verbotsschilder, Privatschilder, Überwachungskameras und Schranken gesehen. Ganze Gebiete, selbst in Wäldern sind nur nach Eingaben von Pins begehbar oder ganze Halbinseln ganz abgeriegelt. Der Grund scheint mitnichten eine Unmenge an Menschen zu sein, die in das Land eindringen wollen, sondern eher eine Mentalität. Schade eigentlich.

Im Norden überraschte uns das gute Wetter und die tollen Strände mit einem Bild, das wir von Finnland nicht hatten. Strandurlaub.
Überraschend war auch, dass ganz klassische skandinavische Lebensmittel oft nicht zu finden waren, wie z.B Polarbrot. Dafür sind die Finnen riesige Oatmeal Fans, was es hier in rauen Mengen gab.

Sammler meist deutscher Kirchenglocken ist ein Raststättenbetreiber


Das Klischee, das stimmte waren natürlich die Saunen. Auch wir haben auf der Suche nach einer Dusche, immer nur den Kombipreis mit einer Sauna erhalten. So dass wir an einer Raststätte tatsächlich mal eben in einer Sauna waren.
Dabei sind die Finnen aber deutlich prüder als andere Länder. Das fällt schon mit den Umkleidekabinen überall auf, aber auch beim getrenntgeschlechtlichen saunieren, zieht sich aber allenthalben durch die Gesellschaft.
Auch gab es bei fast allen Toiletten in Finnland Intimduschen, wie in Asien üblich.

Die finnischen Städte waren zumeist – wie die meisten skandinavischen Städte – nicht besonders schön. Es gib zwar immerhin ein paar Highlites an wenigen Orten, weniger Städte, aber ingesamt tun sich die Städte in Skandinavien wenig.

Da die Masse der Coronaleugner in Schweden unterwegs war, fiel uns sofort ein Typwechsel auf, als wir über die Grenze kamen. Hier wurden nämlich die Impfnachweise gecheckt und es wurden auch wieder überall Masken getragen, so dass wir nicht wie Aliens wirkten. Die Deutschen, die wir hier trafen, waren daher auch ganz anders. Es waren zum einen viel weniger und meistens winkten sie uns aufgeregt und freundlich zu oder kamen sogar zum Klönschnack, also ganz anders als wir es sonst gewohnt sind.


Als Norddeutscher machte uns ein Gruß immer wieder stutzig und wir dachten immer wieder wir hätten uns verhört, wenn jemand Moin oder Moin Moin sagte, bis Google aufklärte, dass es im südlichen Finnland eine Grußfomel „Moi“ und „Moi Moi“, entsprechend dem schwedischen „Hej“ und „Hej Hej“ gibt. Sehr lustig.
Im Süden Finnlands leben 5% schwedischstämmige, da Finnland ja einmal schwedisch war und so ist ab da die – für mich lesbare – schwedische Beschriftung überall parallel zur finnischen vorhanden. Auch schwedisches Radio gibt es.

Es kann nicht groß genug sein. Dieser Megabus beherbergt eine 3 köpfige Famile und eine Garage für s Auto im Heck. Allerdings kann er nur wieder herausfahren, wenn alle anderen fort sind. Mit der Länge eines Gelenkbusses muss man schon sehr gut wissen, wie man am Ende drehen kann, aber viellelicht gibts auch ein Vorrausfahrzeug?


Das ganze Land besteht was Sehenswürdigkeiten angeht sehr stark auf Kriegslinien, Kriegshelden, Schlachten und so weiter. Das ist allgegenwärtig und wenn man sich mit der Geschichte befasst auch kein Wunder. Uns war neu, dass die Finnen auf der Seite der Deutschen gekämpft hatten, bevor sie dann umschwenkten. Aber die Grenze zu Russland ist sehr nah, es existiert hier sogar ein Sperrgürtel wie einst in der DDR. Schade, weil wir eigentlich nur noch 150km von St. Petersburg entfernt waren, aber Covid ließ es nicht zu.
Sehenswürdigkeitsschildern zu folgen haben wir außerdem schon früh aufgegeben, da sie oft irgendwo hin führten, wo am Ende nichts war, oder wenigstens kein weiteres Zeichen.

Ein weiteres Klischee, sofern überhaupt bekannt, ist Frisbeegolf, dass uns hier an jeder Ecke begegnete und wo wir sogar mal in eine Meisterschaft gerieten, die mitten durch die Stadt führte. Dabei müssen die Teilnehmer wie beim Minigolf, teils über Flüsse hinweg in einen Gitterkorb treffen und sich bei Nichttreffen von der Stelle aus weiter herantasten, an dem die Frisbee gelandet ist. Und natürlich gibt es tausend unterschiedliche Scheiben.

In der Natur hat uns der Tilikka Nationalpark bei weitem am besten gefallen, aber auch die benannten Küsten im Norden und die Seenplatte, die ja eigentlich nur ein gewaltiger See ist. Dabei ganz besonders die Ridges, das sind so eine Art langezognener steiler Bergkamm mitten im See, der auf dem dann oft eine Straße rechts und links steil abfallend führt.
In den Nationalparks haben micht Flughörnchen am meisten begeistert.



Der Verkehr in Finnland hat einige Eigenarten, die mich schlicht in den Wahnsinn trieben. Da ist zB der Kreisverkehr, der in Finnland nach der halben Umdrehung plötzlich einspurig ist, weil er nicht zu drehen gedacht ist und die Menschen hier scheinbar nicht frei durch einen Kreisverkehr fahren sollen ( können?). Auch Beschilderungen mit 100 Km/h auf dem Schild und gleichzeitigem 80 km/h auf der Straße tragen nicht zum sicheren Fahren bei. Im Norden sind wir teilweise 100 km auf Straßen gefahren (teils mehrspurig), auf denen nur 60 km/h erlaubt war und auf denen ich der einzige war, der das versucht hat. Kein Wunder also, dass die meisten Finnen Geschwindigkeitsvorgaben per se ignorieren.
Toll dagegen sind Hinweisschilder auf denen zB ein Point of Interest ausgeschildert ist. Dort steht sofort zB 500m gerade aus und dann 6km nach rechts. Während du in Schweden auf den Schildern immer nur die 500m liest und so teil 20 km weiter geleitet wirst bevor du ankommst.
Dafür steht in Finnland da aber auch schon gerne mal 500m plus 70km zur Touristinformation.

Finnland ist das Land der Mumins (Ute war auch im Museum), der Riesensupermärkte, der kleinen Nationalparks, der Frisbeegolfs, des Sommerendes am 15.8., das Land mit dem meisten Kaffeeverbrauch der Welt und das Land mit den heißen Duschen am Strand. Ist es besser oder schlechter als Schweden. Puh. Anders. Einsamkeit ist hier nicht das Ziel wie in Schweden. Es ist irgendwas, was man nicht so genau benennen kann. Prinzipiell würde ich Schweden vorziehen, das liegt aber eher an meiner familiren Geschichte, aber das letzte mal wird es bestimmt nicht gewesen sein. Besonders würde uns eine Runde über Aaland interessierren, diesen kleinen unabhängigen und doch zu Finnland gehörenden Inselstaat, der die Brücke nach Stockholm bildet.

Wir für unseren Teil fahren von hier aus weiter nach Estland und ein kleiner Tipp: Die Fähre nach Tallin Eckeröline, hat eine weitere Fähre nur ca 10 km neben Helsinki, die auch auf der anderen Seite 10 km neben Tallin ankommt und erheblich günstiger ist, da es ein Cargoschiff ist, was aber der Bequemlichkeit keinen Abbruch tut. Nur ein Auto musst du dafür schon mitbringen.


Auf nach Estland, das so viel Ähnlichkeit mit Finnland hat, wie kein anderes Land und

Moi Moi Suomi








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