2019-2023,  2023,  Peru,  Südamerika,  Unterwegs

Pallcoyo Rainbowmountains

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir wieder zurück nach Cusco, Cuzco oder Cosco, je nach Schreibweise. Wir kennen uns aus, lassen uns schnell noch alte Schuhe zu neuen Schuhen machen, treffen Amid, einen Reisenden aus England, den wir damals in Medellin auf dem Ausflug mit der Seilbahn kennengelernt haben und wir bezahlen endlich unseren Organisator, der uns auf Zuruf aus dem heiligen Tal Plätze in Vans reserviert hat, ohne bisher je Geld zu sehen. Er ist es auch, der uns den Tipp gibt nicht zu dem Rainbowmountain zu fahren, den alle machen (bis zu 2000 Leute am Tag und nur ein Berg), sondern nach Pallcoyo (ca 100 Besucher, sehr viele Rainbow Mountains). Warum? Weil die lange Wanderung am Originalberg auf 5000 Metern mindestens Ute evtl nicht schaffen würde. Also machen wir wieder etwas was wir ungerne machen: Eine Tour buchen.

Es ist eine Entscheidung, die wir absolut nicht bereuen. Alleine schon die Anfahrt durch das Tal, über die Sandpisten. Durch die Dörfer der Indigenen, immer tiefer hinein, bis wir weit über eine Stunde in die Landschaft vorgedrungen sind. Hier gibt es Berge mit tausenden Terrassen und das Besondere: Sie sind natürlich. Sowas haben wir noch nie gesehen. Dann nach langer Fahrt und mehreren Gebeten zur Patchamama unseres Guides, erreichen wir das Ziel.

Ein französischer Wagen (wie soll´s auch anders sein) und 2-3 andere Mininbusse. Das war´s. Während wir noch über die Landschaft staunen, die spannender kaum sein kann, mit ihren winzigen stallartigen Häusern hier und dort (ohne Heizung in Eiseskälte) und den winzigen Silhouetten von vereinzelten Frauen, die Lamas treiben, weit oben, erklärt uns der Guide die erste Hilfe. Er trägt eine Sauerstoffflasche auf dem Rücken, erklärt was normal ist und was nicht. Wir bekommen Cocablätter, aber auch Augua del Florida zu schnüffeln. Und das beste an ihm: Tranquillo. Gaaaanz langsam.
Die ersten Stufen sind die schlimmsten. Nur ganz wenige, aber der Körper ist die 5000 noch nicht gewöhnt. Vielleicht haben wir danach aber auch einfach keine Zeit mehr nachzudenken und hinzuspüren, denn da ist bereits der erste Regenbogenberg.

Uns wird erklärt, dass das ganze Gebiet vor 25 Jahren noch unter einem Gletscher lag.
Genauer braucht man das wohl nicht ausführen, warum er jetzt nicht mehr da ist.
Wir bewegen uns tranquillo weiter. Ganz minimale Steigung, die dir ins Gesicht schreit: „Nimm das Erdling. Kannst du dir vorstellen wie das mit 90 sein wird? Nein? Wie wär´s da mit?“
Hechel. Hechel. „Tranquillo!“, sagt der Guide. „This is no race.“
Er rennt vor und zurück. Den Hügel rauf und runter. Er ist hier geboren, kaut immerzu Coca. „Photo for National Geographic! The Survivers!“
Ok, der Typ ist witzig. Das mit dem surviven ist ja noch gar nicht geklärt. Nächster Berg. Bähm. Alter, wie kann der so geil aussehen.
Die Fotos sehen überhaupt nicht so bunt aus wie die Farben in echt. Filter an. Jetzt stimmt alles ausser das rot ist zu stark. Aber so in etwa. Rot ist Eisen. Dann gab es noch Sulfate, Kupfer und ich sag mal Matsche. Ganz viel. 7 Farben.
Dann möchte er den Berg hinauf zu einer skurrilen Felsformation auf dem Gipfel. Nicht sehr hoch aber 5000 Meter.
Man muss nicht, aber wir versuchen es und langsam wie ein überladener LKW arbeiten wir uns das kleine Stück hinauf. Bähm. Noch ein Berg, und noch ganz viele bunte Berge. Und rote Täler und diese abartig geilen Felsen oder Felswände.

Die Handies glühen, da ruft er uns zum Gebet für Patschamama. Bzw Gebet ist nicht richtig, denn er hat keine Religion. Er glaubt an die Natur, die Erde, die Elemente.
Er gräbt ein kleines Loch, …

jeder hält die drei Cocablätter in der Hand, die man immer so hält bei der Zeremonie und es wird die Sonne, die Erde angerufen und jeder von uns namentlich mit eingebunden. Am Ende sollen wir ein Stück Schokolade, Bonbon oder so dazu hineinlegen. Ob die Erde das wirklich gut findet? Ein kleines Stück zuckerfreie Schokolade wird schon gehen. Und scheinbar steht die Patchamama auch auf Cola. Eine halbe Flasche kommt oben drüber, bevor alles vergraben wird. Jetzt kann nichts mehr passieren. Die Erde hat einen Zuckerschock und hat anderes zu tun, als sich um ein paar hechelnde, aber grinsende Gestalten zu kümmern, die auf einem kleinem Gipfel zwischen bizarren Felsen stehen und von einem hyperaktiven Guide einzeln abgeklatscht werden. You made it! You are a surviver!
Dann geht´s zurück nach Cusco. Denn morgen werden wir den Nabel der Welt nach fast 2 Wochen verlassen und unserern Weg nach Puno fortsetzen, dem Weg der uns aus Peru hinaus- und ins langersehnte Bolivien hineinführen wird. Noch höher als bisher…

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