2019-2023,  2023,  Peru,  Südamerika,  Unterwegs

Pisac

Auf nach Pisac am anderen Ende des Valle Sagrada.
Für 3 Sol nach Urubamba, einem alten Mann Socken abgekauft, mit dem Tukituki (wie es ein Urubambarer nennt) für 3 Sol zum Terminal auf der anderen Seite der Stadt (die liegen immer am Ausgang, wohin du willst) und dann mit dem nächsten Colectivo für 5 Sol eine Stunde nach Pisac.
Wir lassen uns am Stadion rauswerfen, weil Luis Felipe uns sagte, er wohne dort. Kein Name, keine Nummern. Eine lange Wand mit Türen. Eine Dame fragt, wohin wir wollen. Wir sagen den Namen. Nada. Das Bild in Airbnb: Wir sollen folgen, hämmert an eine Tür und geht weiter. Dreht sich von Weitem nochmal um, zeigt wir sollen weiter gegendonnern.

Pisac soll eine gewissen Magie haben und tatsächlich. Als ich auf der Strasse stehe und dem Collectivo nachsehe, stelle ich fest, dass sich meine neuen Socken in Luft aufgelöst haben.

Dann steht Felipe vor uns, nimmt Ute sofort in den Arm und wir haben von der ersten Sekunde das Gefühl nachhause zu kommen. Unser kleines Zimmer (11€) mit Blick auf den Fluss teilen wir uns leider mit tausenden kleinen Fliegen (das sind wohl die 2 Monate) , die uns zum Glück aber in Ruhe lassen, aber das Zimmer ist wirklich süß und nachdem wir umsorgt und informiert wurden, machen wir uns auf in das Städtchen.

Es quillt geradezu über von kleinen Cafés. Wir sind im Paradies. Außerdem günstiger als Cusco und Ollantaytambo. Die Sache hat einen Haken: Pisac ist ein Sammeltopf für Esoteriker, Leugner, Verschwörer. Bekloppte halt. Überall hört man Deutsche, die erzählen, dass Kinder angeblich keine Gesichter mehr zeichnen können, von Energien und tausenden Kursen die sie besuchen. Überall gibt es Schamanen-Zelte und es wird absolute jede Inkatradition mit allen anderen Praktiken wild gemischt. Eigentlich finden wir das einzelne gar nicht schlimm, aber die Mischung hier ist schon ziemlich strange.

Wir fragen uns, was wohl die hier lebenden Inkas darüber denken, dass ihre Bräuche so hemmungslos ausgebeutet werden, von – wir nennen sie – „verzweifelt Suchenden”, die dabei alles an angeblicher Erkenntnis sofort kapitalistisch auszubeuten. Da schätzen wir eher die echten Hippies, denen es mehr ums Leben neuer Ideen ging, als um Geschäftemacherei.
Wir wechseln also so oft wie möglich den Ort, denn die Cafés sind wunderschön. Hier könnten wir ein wenig bleiben.
Leben könnten wir hier nicht.
Wenigstens nicht so. Dass der Ort eine gewisse Magie hat, liegt nicht nur an seiner Lage im heiligen Tal, sondern auch an den unglaublichen Ruinen weit über der Stadt, die wir morgen erobern wollen.

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