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Wie war Bulgarien

Die falschen Vorstellungen über Bulgarien fingen ja schon damit an, dass wir immer dachten, Bulgarien sei das große Land und Rumänien das kleine.
Nein umgekehrt. Bulgarien ist relativ klein. Es besteht gefühlt aus zwei Teilen. Dem Teil über dem Balkan Gebirge und dem darunter. Dazwischen ist es oft flach. Warum ich das sage? Weil fast jedes Land, das wir uns vorher flach vorgestellt hatten am Ende bergig war und hier war es umgekehrt. Der Anfang in Bulgarien war schwer. Die Menschen lächelten nicht, Witze wurde nicht erwidert, lächeln auch nicht. Ein Kind, dass dir mit versteinerter Miene Seifenblasen ins Gesicht bläst ist schon irgendwie spooky. Das änderte sich aber als wir die Schwarzmeerküste verließen.
Da jeder zweite Luxuswagen an der Küste ein Ukrainer war, lag der Verdacht nahe, dass es vielleicht gar keine Bulgaren waren, aber es waren ja auch die Polizisten, die uns auf unserem Weg in einer Stunde 5 mal durchsuchten. Kein freundliches Wort. Kein Lächeln. Kein Thank you oder Good bye. Auch nicht auf bulgarisch.
Ab Plovdiv wurde es anders. Hier lachten Menschen ausgelassen. Hier redeten uns Personen an, konnten teilweise sogar deutsch.


Bulgarien ist arm. Das merkt man. Aber nicht so wie wir es uns vorgestellt hatten. Es gibt sie diese Orte wo Sinti und Roma leben, dort wirkt es wie in einem heruntergekommenen Museumsdorf. Viele Pferdewagen, viel Müll. Aber das ist nicht der Standart. Müll gibt es, aber weniger als zum Beispiel in Griechenland. Es gibt einfache aber normale Autos, normale zweckmäßige Häuser. Viele Orte sind noch durchsetzt von den traditionellen Häusern (unten Holz oben Stein), die leider teils verfallen.



Die Straßen sind ein Thema für sich. Praktisch jede Schlaglochpiste kostet Maut. Aber die kostet auch nur 7€ die Woche (15€/2 Wochen) und ist über die App bezahlbar. Kameras registrieren dein Nummernschild. Die BGToll App ist günstiger als die Tankstellen hinter der Grenze.
Ja die Schlaglöcher sind schlimm. Noch schlimmer sind die immer wieder geflickten Straßen, die Türme aus Teer bilden. ABER: Das gilt nur für kleine Straßen. Die großen Straßen sind vollkommen ok. Du kannst durchaus durch das Land fahren ohne ein Schlagloch zu sehen (lehne ich mich da zuweit aus dem Fenster?)
Aber auf jeden Fall sind die kleinen Nebenstraßen ab und zu heftig. Daher hat Bulgarien diesen Ruf. Das gilt auch bis auf den letzen Meter in der Mitte der Brücke nach Rumänien. Schlaglöcher auf ner Brücke… das ist schon kreativ.

Was Bulgarien schwierig macht sind die russischen Buchstaben, die es dir nicht ermöglichen, die Sprache einfach mal so zu lernen, du brauchst zwei Schritte. Wichtige Straßenschilder sind allerdings in beiden Schriften gehalten. Dafür ist das Land aber teils sehr natürlich. Es gibt hier mehr kleinere Felder mit vielen Bäumen drum herum. Krasse Höhlen und sogar tolle Wasserfälle. Bulgarien hat klasse Eco Trails eingerichtet (und leider oft verfallen lassen).
Generell sind viele Flüsse naturbelassen und es leben viele Störche im Land. Vielleicht dadurch, dass das Land so arm ist, ist noch nicht alles restlos ausgebeutet. Entlang der Stauseen kann man auf schönen grünen Wiesen in herrlicher Stille die Tage verbringen.

Es gibt diese Rudimente der sowjetischen Zeit überall und es gibt auch Taxifahrer, die öffentlich das Z auf dem Auto führen, um ihre Treue zu Russland zu beschwören. Russen sind auch die überwiegende Zahl der Touristen am Sonnen- und Goldstrand, die ich mir viel größer vorgestellt hatte.



Regeln sind in Bulgarien schon eher deutsch. “Mach einfach”, läuft hier nicht. Ist schon alles irgendwie geregelt. Das gilt leider auch für Hunde die mit der Sandfliegenkrankheit infiziert sind. Kommt nebenbei heraus, dass dein Hund den Wurm hat, muss er sofort eingeschläfert werden. Also Achtung Hundebesitzer.

Kulinarisch hat uns das Land nicht vom Hocker gehauen, auch wenn der Salat mit weißem Käse recht lecker war und das Juicy Sandwich in Plovdiv mega lecker.

Kulturell gibt es einige gut erhaltene Dörfer, die stilistisch an Alpendörfer erinnern.
Außerdem ist Bulgarien das Land mit den meisten warmen Quellen in Europa. Bis auf eine sind aber alle 900 Quellen von Hotels und Bädern spätestens in den 60ern überbaut worden. Viele verfallen heute, die Quellen sind dennoch nicht mehr nutzbar. Das fanden wir sehr schade. Aber es gibt heiße Brunnen. Das brachte uns auf die Idee heißes Wasser in den Duschsack zu füllen und so konnten wir endlich mal warm duschen. Das war schon toll.



Insgesamt kam uns Bulgarien wie ein ruhiges Land vor, wo alles ein wenig langsamer läuft. Und das ist positiv gemeint. Es gibt ganz süße Traditionen wie Marteniza, mit den rot weißen Bändern überall in den Bäumen, wenn der Frühling gesichtet wurde, oder das Rosenfest. Denn Bulgarien ist das Land mit dem größten Rosenanbau.


Eine viel tollere Tradition ist die Menge der Kaffeeautomaten, die es praktisch in jedem Dorf in jeder Stadt in Massen gibt. Überall gibt es Kaffeeautomaten verschiedener Firmen und den Versuch an jedem Kaffeeautomaten auf den nächsten 10 km anzuhalten und einen Kaffee zu trinken, würdest du wahrscheinlich noch vor Verlassen des Dorfes mit einem Herzinfarkt bezahlen. Mit 1 Lev kostet der Kaffe nur wenige Cent und war durchaus genießbar, machen doch nicht nur unbekannte Keffeemarken sondern auch Branchenführer mit. Tolles Land!

Warum in Bulgarien Ostern eine Woche später gefeiert wird und warum jeder mit Gestrüpp rumfährt, wenn er aus der Kirche kommt und wie das mit den rotweißen Bändern genau aussieht findest du in unseren Beiträgen über Bulgarien.

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