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Yokohama



Da in Japan die Checkins extrem spät sind, laufen wir nach der durchgemachten Nacht hier wie Zombies durch das noch schlafende recht schmutzige Chinatown und dann an den Hafen. In dem Zustand durch die Stadt zu laufen ist gefährlich, weil man unachtsam wird, denke ich dabei. In den langen Lagerhäusern aus Backstein, die uns an Hamburg erinnern und tatsächlich aus der Handelszeit stammen, bummeln wir und ich finde für Ute ein paar schöne Ohrringe. Nach weiteren ca 45 Minuten im Gebäude, sinken wir auf einer Couch tief in die Kissen. Auf einem verstecktem Balkon, so dass man uns gar nicht mehr sehen kann. Plötzlich steht eine junge Dame vor uns. Quietscht wie es nur eine Japanerin kann und freut sich wie doof. Sie hebt die Hand und ich denke noch: „Ach witzig, sie hat auch eine Visakarte von der DKB“. Die Verkäuferin ist doch tatsächlich die ganze Zeit durch das Haus gerannt, muss wirklich in jeder Ecke gesucht haben, obwohl sie nur zu zweit im Laden waren, um uns zu finden. Ehrlich gesagt, hätte ich gedacht, dass die Kunden schon längst gegangen wären und gedacht, die wissen wo sie bezahlt haben und kommen zurück. Nicht in Japan. Eines von vielen unglaublichen Erlebnissen in unserer Zeit hier.

Weiter gehts durch die neue Innenstadt. Wie schon in Kyoto kreisen über der Stadt Adler. Nur dass sie hier auf die Picknickenden herabstürzen und Sushi klauen. Mit angelegten Flügeln im vollen Sturzflug. Muss man auch mal erlebt haben. Die alten Zugstrecken über einen See sind zu Flaniermeilen unter Kirschbäumen verwandelt worden. Ein Tivoli ähnlicher Park liegt am Rand, genau wie ein altes Segelschiff. Neue Wolkenkratzer umranden alles und es gibt eine Menge Gebäude die auf alt gemacht sind. Es bleibt eine Großstadt und mit 30 km eigentlich bereits ein Vorort Tokyos, aber dafür sehr entspannt. Anders als in Osaka, wo man auf der Rolltreppe rechts stehen soll, ist es hier links, dem Verkehr entsprechend links. Unsere Unterkunft ist eine Etage in einer ärmeren aber zentralen Gegend. Unser Bett ein typischer Futon auf einer Fläche, die aber zu klein ist, den Futon auszurollen, da ein Pfosten mitten durch führt. Man kann nicht alles haben.

In Yokohama gibt es zur Zeit den zweitgrößten freibewegenden Roboter. Was ich auf mehrerlei Ebenen für falsch halte. Erstens wird er von hinten mit Hydraulikstangen fest verankert gesteuert, zweitens ist er nicht wirklich beweglich. Schon von Weitem sehen wir den großen Roboter hinter Containern und Wänden auftauchen und fragen uns noch, ob es wohl Eintritt kostet und wenn wieviel? 200 oder gar 500Yen. Nein. 1650 Yen. 12 Euro.
Wow das ist enorm viel, was bekommt man dafür? Eine Tageskarte. Was macht man damit? Man steht vor dem Gungnam Ungetüm.
Wir stehen aussen und sehen ihn genauso.
Dann bewegt er sich. Er hebt die Hand. Enorm langsam. So langsam, dass ich es nicht glauben kann. Dann senkt er sich auf ein Knie. Das war’s. Wir warten noch eine halbe Stunde, weil wir nicht glauben können, dass die Firma hier wirklich den Mut hat Menschen 12 Euro dafür abzuknöpfen und das war alles. Aber genau so ist es. Als wir gehen wird er wieder in die Halterung zurückgefahren. Es gibt auch Tickets für über 40Euro mit denen man auf Kopfhöhe des Riesen stehen kann und dann von hinten gar nichts sieht, ausser der Hydraulik.
Wir sind maßlos enttäuscht und ich denke: Fahrt einmal nach Nantes. Dort schaut ihr euch die wirklich frei beweglichen Roboterelefanten an, reißt das hier nochmal ab und fangt von vorne an.
Dem Publikum scheint es egal zu sein, alle Souvenirs sind ausverkauft, alle zahlen den Eintrittspreis für nichts. Wir schätzen, dass es um ein Foto mit dem Klotz geht und nicht um die Bewegung an sich. Tatsächlich hätten wir aus Japan mehr erwartet, aber ein schönes Fotomotiv ist es allemal. Wir sind aber natürlich auch nicht so in der Thematik. Wir mussten sogar erstmal googeln was Gundam überhaupt ist um zu erfahren, dass es sich um Anime mit Robotern seit 1979 handelt. Bewegen tut er sich dadurch auch nicht schneller und ich fürchte einen Kampf wird er so nichtmal gegen ein Faultier gewinnen. Der Arme.

Der letzte Tag in Yokohama.
Wir besuchen das alte Chinatown, was heute einfach nur noch eine vollkommen überteuerte Fressmeile ist. Ich bekomme ein Scharwama (Was auch immer das mit China zu tun hat) so groß wie mein kleiner Finger.
Dieses Chinatown soll das zweitgrößte der Welt sein. Fühlt sich jetzt nicht klein an, aber so groß nun auch wieder nicht, wenn ich an andere Städte auf der Welt denke.
Andere Orte in Yokohama haben uns aber besser gefallen. Warum wir hier in dieser Stadt plötzlich so entspannt waren, lässt sich nicht genau erklären, nicht genau an einem Ort festmachen. Vielleicht haben wir einfach nichts erwartet.


Wir fahren weiter mit der S-Bahn nach Tokyo. Zu dem Zeitpunkt ist uns noch nicht klar, dass die nächste Unterkunft in Tokyo mit der Bahn weiter entfernt von Tokios Zentrum ist, teurer und schlechter als unsere Unterkunft in Yokohama. Und vielleicht würden wir nächstes mal hier wohnen und die 45 min in die Stadt von hier aus fahren.

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