2019,  Kambodscha,  Unterwegs

Kâmpôt

Kampot ist angeblich so ein verschlafenes Nest. Dafür gibt s hier aber zu viele Guesthouses und Restaurants, aber es ist tatsächlich ein ziemlich entspannter Vibe zu spüren. Dass das evtl nicht mehr sehr lange so sein wird, sieht man bereits an den abgerissenen Vierteln, wo die chinesischen Investoren in der sonst zweistöckigen Stadt zwei riesige Hochhäuser bauen werden.



Bis jetzt aber besteht Kampot für Backpacker aus Guesthouses, Restaurants, Nachtmärkten, einem Durian Roundabout, einem Fluss mit zwei Glühwürmchen, drei Brücken, viel LED Beleuchtung, dem Bokor Nationalpark, den Pfefferplantagen, jeder Menge beleuchteter Flossrestaurants, die zum Sonnenuntergang den Fluss hochfahren um ein Glühwürmchen anzuschauen, Salzgewinnung, vielen tollen Kindern und Einwohnern und jeder Menge Hängengebliebener und auffällig vielen Paaren „Er Ausländer, Ende 50, sie so ca 5-10 Jahre jünger, Einheimische und sehr gelangweilt“. Später erfragen wir bei Steve und er sagt, es seien tatsächlich oft bezahlte, Wochenbeziehungen. Aber so richtig genau kann man das nicht immer sagen.

Ruhig ist es hier auch nicht. Dafür wird hier zuviel Berg (Nationalpark Berg) abgebaut und die LKWs rasen mit ihren dröhnenden Hupen durch die Stadt, genau wie der Zug, der hier dröhnend und hupend den Fluss überquert. Hupende Boote, viel Straßenlärm an sich… das ist hier nicht anders. In den Randbereichen ist es dann eher Baulärm oder der nicht enden wollende Gesang der Muhezzine in der muslimischen Ecke.
Nachts geben sich Hunde und Hühner einen Schlagabtausch.

Wenn einem das alles klar ist, ist da aber auch ein Ort, an dem du nicht bedrängt wirst etwas zu kaufen, an dem du nicht alle zwei Minuten „Tuktuk“ oder „Massaaaage?“ – Rufe beantworten musst. Viele Bars mit Hängematten in der Stadt oder am Fluss entlang. Viele französische Bäckereien, sogar ein deutscher Biergarten, nachts in der Mitte des 8 spurigen Roundabouts verwandelt sich der Ort in einen Spielplatz, am Lotussee ertappt man verliebte Kambodschaner und hier und da zieht ein Geruch durch die Straßen, der dem in der Highbar um nichts nachsteht.

Kampot und Kep heißt es immer. Kep liegt ca eine halbe Stunde mit dem Roller entfernt, dort gibt es den Krabbenmarkt und ein in die Jahre gekommenes Seebad mit überdimensionierten Straßen. Beitrag zu Kep.

Beide Orte liegen sehr nah an der vietnamesischen Grenze, wodurch es sich anbietet, von hier aus weiter ins Mekong Delta zu fahren oder – wie wir – nach Phu Quoc, die größte Insel Vietnams.

Die ersten drei Nächte verbringen wir im Playground. Dort werde ich mit „bist du der große Björn?“ auf deutsch begrüßt. So gehört sich das! Das wunderschöne offene Haus über drei Etagen mit Rooftop Chillbar, führt Steven aus Deutschland und seine Partnerin Amanda aus Australien mit Finja (3) aus beiden gemacht. Das Haus ist ein echter Kontaktpunkt. Wir kommen hier schneller in Kontakt als an jedem anderen Ort zuvor.
Leider ist es auch sehr laut, deshalb ziehen wir nach ein paar Tagen ins bereits gebuchte Ramo Resort am Wasser um. Auch drei Tage auch sehr schön. Hier hört man nur noch den Zug und wird direkt am Bungalow vom Boot abgeholt zur Firefly Fahrt (kann man sich sparen).



Da wir die ganze Zeit den Roller von Steve haben, sind wir mobil und so ziehen wir nach den drei Tagen noch weiter raus: Ins Retro Kampot Resort. Die Straße dahin ist eine echte Herausforderung von 3 km und Schlaglöchern und Schlagbergen (siehe Galerie) und am Ende Sandpiste und dann ein gefluteter Sandpfad und dann ist man an den wunderschönen Bungalows von Franzosen geführt und entsprechend detailverliebt eingerichtet. Genau das was mein Designerherz braucht, um sich wohlzufühlen. Dazu gibt es eine Hängematte, Sichtschutz, einen Sessel, eine Katze im Bett und die Lage direkt am Loop, dem kleinen Fluss, der einmal im Kreis vom Hauptfluss abzweigt und vor unserem Bungalow keine zwei Meter breit, komplett von den Palmenmangroven überdacht ist. Wunderschön. Wir sind mit dem Kajak dirket vom Bungalow durch die Mangroven gepaddelt. Eigentlich haben wir 3 Tage gebucht, haben aber nochmal um 2 Tage verlängert, weil man hier wunderbar herumhängen kann. Beitrag zu unseren Unterkünften.
Und abends fahren wir immer auf den Nachtmarkt, essen wunderbare Gerichte wir japanisches Curry, Bananapancakes, Loklak, Amok und vieles mehr für maximal 2$, oder wir gehen den Laden, in dem komischerweise nur Deutsche rumhängen (der ist aber auch gut) oder wir gehen zu Steven und Amanda in den Playground und sitzen dort auf dem Dach. Schauen Openair Kino, lernen viele Leute kennen und genießen das Zuhausegefühl.

Wir machen Ausflüge nach Kep, zur Pfefferplantage und dem Secret Lake und fahren insgesamt 120 km in und durch den Bokor Nationalpark, der gerade vernichtet wird. Bericht zur Zerstörung des Nationalparks.



Die Zeit in Kampot ist wunderschön und fühlt sich bereits wie zuhause an. Man trifft an allen Ecken Leute, die man kennt. „Ach da steht Amanda mit Finja, die kann uns sicher sagen, wo man in dieser Stadt Tomaten kriegt“

Wir waren ausserdem zu einer ganz besonderen Zeit in Kampot. Es ist nämlich Dezember. Der Hochzeitsmonat und so wurden fast an jedem Tag aber besonders Samstags und Sonntags große Durchgangstraßen halbseitig gesperrt und riesige Zelte in der ganzen Stadt zu errichten mit kitschigen Schleifen und kreischigen Sängerinnen und die Kambodschaner machten sich wunderschön und es wird im Akkord geheiratet. Immer und überall.

Dezember ist Hochzeitsmonat

Nach einiger Zeit hat man sich endlich orientiert und wir haben unsere besten Lieblingsrestaurants oder Straßenstände gefunden. Dort wo es richtig günstig und richtig gut ist.
Unsere Lieblingsorte zum Schlemmen waren:

Happy Chef Pizza
hier sind auffällig viele Deutsche. Das Essen ist super. Tolle Shakes, klasse Squid, Pancakes, Khmer Food und Spaghetti. (Ca 1-3.50$)
Shakes entweder bei Happy Chef Pizza oder beim Shake Obststand direkt am Old Market gegenüber der französischen Bäckerei
ca hier: (GPS 10.6078986,104.1799077)
Bestes Preisleistungsverhältnis für Leute die sparen müssen:
Nachtmarkt am Fluss (nicht am Roundabout) Stand „Moon on the Clouds“ liebenswürdige Familie und sehr güstige Gerichte. Japanisches Curry, Chicken Süß sauer, Amok und mehr für alles nur 2$. Links daneben 1,25$ ein akzeptabler und günstiger Pancake. (GPS 10.6164855, 104.1734171)
Playground Super Burger mit Pommes 4$ teuer auf dem Rooftop
Lecker lokal Kuchen günstig am Straßenstand von Lokals
(GPS 10.6072639, 104.1871671)
Brot für 2.50$ im französischen Bäckerei (GPS 10.6077783,104.1800378)

unser Lieblingsrestaurant am Nachtmarkt

In Kampot haben wir uns tatsächlich zuhause gefühlt. Am Ende kannten wir sehr viele Orte, wurden zu vielen Parties eingelagen, trafen Menschen auf der Straße. Als wir am letzten Tag den Roller zu Amanda zurückbrachten, die gerade das Frühstück für Finja machte und unser Tuktuk Fahrer uns nach eigentlich nur 11 Nächten an Kep vorbei zur Vietnamesischen Grenze fuhr, war es schon ein wenig, wie Freunde verlassen und neuen Abenteuern entgegenstreben.



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