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Quer durch Schweden

Wie war Schweden?



Seit kleinster Kindheit bin ich (Björn) jeden Sommer 6 Wochen in Schweden gewesen. Jeden Tag woanders. Deshalb kenne ich große Teile des Landes wie meine Westentasche. Viele Orte sind mir vom Namen stark bekannt und mit Gefühlen belegt, die teils aus so früher Kindheit sind, dass ich den Ort selbst teilweise gar nicht erkenne. Das gilt aber nur für weit abgelegene Gegenden.
Öland hatten wir nie besucht, wie auch Stockholm.
Deshalb haben wir Öland als erstes gemacht und waren positiv überrascht, dass die Insel gar nicht so überlaufen ist, wie wir dachten und sogar noch recht urspünglich daher kommt.
Danach fuhren wir ins Landesinnere, um zwischen den beiden Seen hinauf zu Orten meiner Jugend zu fahren. Hier war ein Flirt, hier der Mariebergskogen, wo wir als Geschwister so glücklich waren, dort die Insel, die diese Gefühle auslöst.


Ich fahre zum Klarälven, dem großen Strom, auf dem in meiner Kindheit hundertausende Baumstämme den Fluss hinab trieben, wo man sich Flöße basteln konnte, um darauf hinab zu fahren und müssen feststellen, dass das Mitte der 90er abgeschafft wurde. Wie lange war ich eigentlich nicht hier??
Dann besuchen wir das Haus meiner Eltern und Schwester, dass wegen der langen Abwesenheit dringend von Birken befreit werden muss. Hier in der Nähe von Filipstad bleiben wir ein paar Tage und fahren dann nach Norden weiter. Über Leksand, wo ich als Kind immer ins Sommerland wollte, nach Mora, wo heute noch das Holzhaus aus massiven Baumstämmen steht, dem ich beim Bau mit ca 12 Jahren zugeschaut habe. Tomteland, das Weihnachtsmannland, wo wir als Kinder waren lassen wir aus, aber fahren nach Norden und entdecken Neues oder Vergessenes?
Der Hamra Nationalpark läuft uns mehr zufällig über den Weg und ist der erste von vielen, in dem wir auf Planken durch die Moore wandern.
Wir besuchen einen Wasserfall den Tännforsen an der norwegischen Grenze und lassen einen Besuch in Trondheim ausfallen, weil wir das Risiko, evtl doch nicht zurück zu können einfach nicht eingehen wollen ( und es gießt da drüben, wie man sieht).
Ab Karlstad wird es ruhiger im Land, ab Mora noch ruhiger und oberhalb von Östersund noch mal weniger. Östersund ist der letzte Ort an dem wir noch einmal haltbare Milch bekommen (Lidl), weil es die in Schweden scheinbar nicht gibt und wir hier den Lidl Äquator überqueren (was für das Binnenland gilt). Die nächste Phase nach der es noch ruhiger wird und die Orte noch kleiner, ist dann oberhalb Strömstads, weil die Unmengen an Wohnmobilen, hier geballt auf den Vildmarksväg abbiegen. Auch wir sind die Runde gefahren und waren auf der einen Seite enttäuscht, wegen der erwarteten Wildness auf der anderen Seite aber auch sehr zufrieden, wegen der Naturschönheiten und Samischen Kirchendörfen und nicht zuletzt der unglaublichen Wanderung auf den Marsfjäll.
Wir haben die Runde nicht beendet, sondern sind bereits vorher nach Norden abgebogen und haben wunderschöne Tage in der Natur verbracht, wo keine Wände von Wohnmobilen stehen. In Sorsele stehen wir an einem Traumplatz und fühlen uns pudelwohl.


Von hier aus fahren wir – auf Wunsch – hinüber zum Storfossen Wasserfall, um dann nach Jokkmokk hinauf zu fahren. Eigentlich wollten wir weiter hinein nach Stekkenjokk oder evtl noch höher, entscheiden uns aber doch wieder nach Luleaa zu fahren. Hier schauen wir uns die unglaubliche Kirchenstad an bevor wir von hier aus in Haparanda über die Grenze nach Finnland „rüber machen“. Uns sind ehrlich gesagt, die zur Zeit anwesenden Deutschen und Österreicher zuwider, die alle nach Schweden gereist sind und keine Minute verstreichen lassen, um einem eine Verschwörungstheorie nach der anderen um die Ohren zu hauen. Ausserdem sind wir die einzigen bis auf wenige Ausnahmen, die in Läden eine Maske tragen. Selbst an Teststationen tragen die Mitarbeiter keine, keine Polizei, Verkäufer halten keinen Abstand. Ganz Schweden ist so aufgestellt wie am Anfang der Pandemie. Spuckschutz (wenn überhaupt) Aearosole gibt es nicht. Das ist höchst riskant aber man kann so natürlich gut leben. Wir freuen uns auf Finnland, wo Masken (so viel darf schon verraten werden) getragen werden.
Wir haben in Schweden viele Lagerfeuer gemacht, sind in Meeren, Seen und Flüssen geschwommen, sind SUP gefahren, haben in Hängematten gehangen, sind gewandert, haben leider auch geshoppt, viele Tiere und viel Natur gesehen und beinahe keinen Regen gehabt, dafür aber teils zu warmes Wetter. Denn in Skandinavien fühlen sich warme Temperaturen von je her automatisch ca 10 Grad wärmer an.



Dinge die uns in Schweden aufgefallen sind.
Skuriles aus dem Alltag.


Kreisverkehre verlieren nach der halben Runde eine Spur. Sind nicht gedacht zum ganz rum fahren.
Gefühlt hat inzwischen jeder Schwede seinen eigenen Blitzer.
Es gibt keine H Milch in Schweden (ausser bei Lidl)
Bei uns gibt es 25 km/h Autos. Das sind aber keine normalen Autos. In Schweden knallt man ein Warndreieck an normale Autos und schon kann man ab 16 ohne Nummernschild fahren. Die fette Anlage rein, BMW, Mercedes, alles geht. Sehr gewagte Fahrweisen, weil sie viel schneller Beschleunigen können und ohne Nummernschild nicht mal zur Verantwortung gezogen werden können. Sehr schräg.
Die Oldtimer, die die Schweden am Wochenende ausfahren sind noch immer da. Genauso die Hotrots oder US Cars die mit Patina überzogen, direkt den Blues Brothers entsprungen scheinen.
Die LKWs in Schweden sind viel länger und viel höher als in Deutschland erlaubt. Die Schweden erzählen uns, dass sie dadurch die Straßen massiv zerstören. Das sind richtige Züge.
Während der Schwede an sich nicht agressiv Auto fährt, ist man sobald kein Blitzer da ist, dennoch zu langsam für viele und sie haben dabei eine eigenartige Angewohnheit nach langen freien Phasen genau vor Kurven und Berghängen zu überholen. Manchmal sehr langsam mit Anhänger dran, so dass wir nicht nur einmal eine Bremsung hinlegen mussten, genau wie der Gegenverkehr, damit der alte Herr mit Anhänger noch lebend wieder einscheren konnte. Genauso aufällig war, wie oft Autos aus Nebenstraßen einfach einbogen und wir ständig runterbremsen mussten.
Jedes Land hat so etwas. Das hier war dieses.
Beschilderung in Schweden (zB zu Sehenwürdigkeiten) sind grundsätzlich genau da wo es abgeht. Keine Vorankündigung für den Bremsweg.
Was ich auch von früher schon kenne: 500 Meter bis zum Campingplatz bedeutet, dass es in 500 Meter eine Kreuzung gibt, von der es dann nochmal 20 km weiter gehen kann. (Finnland zeigt das mit 500m + 6 km an)
Gefühlt hat Schweden inzwischen jede 500 Meter ein Klo, teils sogar mit Latrinenentleerung.
Es gibt kaum noch Parkautomaten. Ohne Handie bist du im Eimer. Du brauchst die Apps, der Anbieter, dann aber ist das auch ohne Aufpreis zu nutzen.
Das mit der Geschichte, dass Schweden das Bargeld abschaffe ist halb wahr. Es gibt viele kleine Orte, an denen man kein Bargeld benutzen kann. Selbst Toiletten (wenn sie mal was kosten) gehen per kontaktloser Karte. Aber es gibt auch Orte, da geht nur Bargeld. Viel mehr genutzt dagegen wird Swish. Das können nur Schweden nutzen, was zum echten Problem werden kann und mit der App kann man praktisch alles bezahlen. (Das kann auf Dauer auch zum Nachteil werden, wenn jetzt an jedem noch so abgelegenen Wendeplatz ein Schildchen in den Boden geschlagen wurde, auf dem steht, dass du 100 SEK zahlen musst per SWISH wenn du hier übernachtest. Ist noch nicht sehr viel aber es gibt es immer mehr).
Läden haben immer auch sonntags auf.
Die Waffeln mit Grädde (Sahne) & Sylt (Marmelade) Preise sind nach oben offen. Beginnend bei 3,50 bis 9 Euro haben wir alles gesehen.
Die Menge der Elche muss stark nachgelassen haben im Gegensatz zu früher. Wir haben viel weniger gesehen. Auch die Rentierherden sind auf sehr kleine Familien zusammengeschrumopft, stehen aber noch immer doof auf der Straße rum.
Im Dollarstore gibt es das Beste abgepackte Popcorn.
Es gibt in Schweden keine Kirschcola dafür aber Himbeere. Alles mit Himbeere.
Die Rollatoren für alte Menschen sind gleichzeitig Tretroller auf die sie sich breitbeinig stellen können, um zB einen Berg hinunter zu pesen (?)
Tankpreise sind die teuersten in Europa.
Es ist in Lappland teils wärmer als im Süden.
Fast alle Schweden tragen Lundhags Hosen oder ähnliche Trekkinghosen in allen möglichen Farbkombinationen, von der Oma bis zum Kleinkind. Das sind so eine Art Handwerkerhosen mit Einsätzen an Knien, Po, Beinen. Hab nach 5 Wochen lästern jetzt auch eine 🙂




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