2020,  Spanien

Via Verde Aceite

Cabra Bahnhof

Die Via Verdes (Grüne Gleise) in Spanien sind eine besonders schöne Idee. Stillgelegte Bahntrassen sind in Fahrrad- und Wanderwege verwandelt worden. Oft mit vielen Quellen, Picknickplätzen und Sehenswürdigkeiten gespickt und abseits von Straßen. Dazu kommt, dass ein Zug für gewöhnlich nicht viele Höhenmeter auf einmal erklimmen kann, so dass du auch als Radfahrer keine Angst davor haben musst, die Strecke nicht zu schaffen.
So lassen sich gemütliche Radtouren in beliebiger Länge erradeln oder erwandern. Wobei man nicht selten durch dutzende Tunnel und über alte Viadukte (Brücken) läuft oder fährt und man stolz in die alten Bahnhöfe einläuft, die heute meistens Restaurants beherbegen und besonders ausgiebige Picknickplätze anbieten und am Wochenende vereinzelt auch Helfer, die dir bei Problemen zur Seite stehen.



Heute geht es um die Via Verde Aceite, die wir in drei Tagen gefahren sind.
Je ein Tag einer von uns, weil wir gerne nur in eine Richtung fahren wollten und der andere unten wartete. Am dritten Tag sind wir noch einen Teil weiter oben gemeinsam hin und zurückgefahren.

Eine weitere Via Verde, die wir 2 Wochen später gefahren sind und die in Schönheit um nichts nachsteht, ist die Via Verde Sierra 60 km südöstlich von Sevilla. Den Bericht findest du hier


Unsere Strecke:
Luque – Zuhero – Doña Mencia – Cabra – Lucena – 34km (Navas del Selpillar +10km)

Die Via Verde Aceite zieht sich über mehr als 100 km (Jaen bis Puente Genil), wobei es da beliebtere und weniger beliebte Teilstrecken gibt, wodurch es am Wochenende sein kann, dass du stundenlang komplett alleine radelst und plötzlich alles voll ist.
Wir haben am Bahnhof von Luque übernachtet (hatten dort eine Nacht sogar einen Babykatze zu Gast in unserem Bett).

Wir waren eigentlich nur wegen der Übernachtung hier und gar nicht wegen der Via Verde und nur durch einen Kommentar in der Ünernachtungsapp rasteten verschiedene Hebel in unseren Köpfen an die richtigen Stellen, in dem plötzlich weit verdrängte Erinnerungen an Dokumentationen ans Tageslicht traten. Gepaart mit den Karten an unserem Stellplatz kam sofort der Wunsch nach „Das will ich auch“.
Der Haken. Es macht sehr viel Spaß eine Richtung zu fahren, aber die ganze Strecke zurückzufahren hält uns immer davon ab, allzuweit zu fahren und da wir nun seit mehr als einem Jahr ständig aufeinander saßen, fanden wir beide die Idee, die Strecke alleine zu fahren und vom anderen unten abgeholt zu werden als besonders reizvoll.
Und so entstand der Plan. Der Begeisterste durfte zuerst. Also ich. Und Ute würde mich abholen. Bzw wir würden da unten schlafen und den nächsten Tag würde sie die andere Strecke fahren. Zurück. Allerdings haben wir diesen Plan nach meiner Tour gekippt, da ich eigentlich nur bergab fuhr und die Tour für Ute fieser gewesen wäre. Daher 2 Tage, 2 mal die gleiche Tour.

Die Via Verde Aceite ist insofern besonders schön, als dass sie ein richtiger Fahrradweg ist, der nicht mit Autos geteilt wird. Sie ist meistens geteert (alt aber vorhanden), hat dutzende Picknickplätze, tolle Bahnhöfe und führt entlang des schönen weißen Dorfes Zuhero, dessen Viadukt man unterhalb quert. Im Vergleich zur Via Verde Sierra ist der Weg länger, abwechslungsreicher, abseitiger, autofreier, besserer Belag, dafür nur ein Tunnel und hinter Lucena eher öde.

Bahnhof Luque – Zuhero – Bahnhof Doña Mencia (12 km)

Von der Estacion Luque aus geht es tendenziell nach Lucena abwärts.
Die Strecke zwischen Luque und Donna Mencia ist dabei die schönste aber auch beliebteste. Viele kleine Picknickplätze, mit Quellen, ein kleines Museum, ein Viadukt und die Kulisse der weißen Stadt Zuhero machen die Strecke reizvoll. Fernab der Straßen läuft man in Doña Mencia in einen Bahnhof ein, der unter anderem einen großen campingartigen Wohnmobilstellplatz beherbergt, mit Duschen und Klos. Hier ist am Wochenende die Hölle los. Das macht auch Sinn, denn von hier aus sind es nur 3 km zurück zum Viadukt und Zuhero und oberhalb Zuheros befindet sich auch noch ein tolle Berglandscahft, die es wirklich in sich hat. Er beherbergt nicht nur tausende Schafe, sondern eine Fledermaushöhle, unglaublich schöne Landschaften und Wanderwege nach Zuhero und temberaubende Ausblicke auf die weiße Stadt.

Das Viadukt bei Zuhero


Bahnhof Doña Mencia – Bahnhof Cabra (16 km)

Hier wird es schon erheblich ruhiger. Nach kurzer Steigung geht es jetzt immer bergab. Vorbei an einer Fahrradfahrer Kirche (wie wir sie nannten) geht die Strecke nun wirklich durch einsame Gegenden. Mandel- und Olivenbäume zieren den Weg und immer mehr Plantagen. Aber auch ein Tunnel.

Immer wieder wurden die Gleise in tiefen Schluchten durch die Felsen getrieben, in denen heute Feigenbäume wachsen und idyllsche Plätze zum rasten bieten. Nachdem ich fast ein Huhn geplättet habe, fahre ich in den Bahnhof von Cabra ein.. Hier befindet sich der letzte richtige Picknickplatz mit Fuente, natürlich wieder vielen Katzen und Restaurant. Außerdem stehen hier zwei alte Lokomotiven, die früher hier auf der Öl und Wasserlinie ihren Dienst taten Anschließend geht die Fahrt aus Cabra hinaus. Von hier oben sieht man in den schönen kleinen Park „Fuente del Rio“ hinab und auf die interessante Architektur des kleinen Arena

Die alte Lokomotive der Via Aceite

Bahnhof Cabra – Bahnhof Lucena (15km)

Dieser Teil der Strecke hat mir zu schaffen gemacht, denn erstens war es jetzt besonders heiß gegen 14 Uhr und es gab besonders wenig Schatten, aber es gab eigentlich auch nur eine Rastmöglichkeit mit Bänken hinter einem Viadukt, die auch noch komplett in der Sonne standen. Hier fährt man nur noch durch Plantagen. Dennoch würde ich die Strecke wieder bis Lucena fahren, selbst wenn die letzten 3 km am Rand der Industriegebiete der Stadt wirklich hässlich sind. Dafür ist die Einfahrt in den Bahnhof mit Restaurant wieder sehr schön.

Estacion de Lucena


Ute hat ihre Tour am zweiten Tag hier beendet. Ich bin trotz Erschöpfung noch 10 km weiter gefahren nach Navas del Selpillar aufgrund eines Irrtums, weil ich geglaubt hatte, das wäre das Ende der Via Verde Aceite.

Bahnhof Lucena – Bahnhof Navas del Selpillar – (10km)

Ehrlich? Den Weg kannst du dir sparen. Es sei denn du willst noch weiter fahren. Erst fährst du hinter Fabrikhallen auf Hundekackastrecken entlang aus der Stadt, nur um danach auf einer Art Versorungsweg für die Plantagen weiter zu fahren. Die Strecke ist öde, gerade ( aber allerdings auch flach) und allenfalls die Unmengen an Kaninchen, die in den Rändern der kleinen Erhebungen zu deiner Rechten zu hunderten in ihren Löchern verschwinden, weil sie es nicht gewohnt zu sein scheinen, dass ein Nutzer der Via Verde Aceite bis hier hin vordringt, wären eine Tour wert. Hier begegnet man niemandem mehr. Am Bahnhof angekommen gibt es duztende Picknicktische. Ich hatte irrtümlich gedacht hier wäre die Route zu Ende und bemerkte meinen Fehler erst, als ich stolz verkündete sie könne mich bald am Ende abholen und die Antwort bekam „ok, ich lass mir dann Zeit und hol dich dann in Puente Genil ab.“ Das wären dann nochmal 18 km. Nein danke.

Bahnhof Alcaudete – Bahnhof Luque (23,7 km)

Diesesmal sind wir gemeinsam gefahren. Allerdings nicht die gesamte Strecke, da wir hin- und zurück fahren mussten. Also sind wir vom Bahnhof Alcaudete gestartet, der zwar einen Picknickplatz, allerdings diesesmal kein Restaurant beherbergt. Wir fuhren von hier aus Richtung Luque zurück. (Es geht natülich auch noch viel weiter, in die andere Richtung nämlichnach Jaen (55km))


Schon bald nachdem man hinter dem Bahnhof die Fahrradbrücke über die Schnellstraße überquert hat, befindet man sich in einsamen Gegenden. Der Grund warum wir hier noch einmal fahren wollten, war die wiederum komplett andere Landschaft als im unteren Teil. Es gibt hier einige Lagunen, die von den Olivenbauern als Wasserquelle genutzt werden. Irgendwann wird es dann auch wieder natürlicher und man erreicht die erste Brücke. Die Brücken haben es hier in sich. An den Rändern gibt es Metallstege, aber dazwischen tragen dich nur uralte Bahnschwellen, die ihre besten Tage gehabt haben und nicht selten angeknackst sind und durch mehr oder wengier große Lücken den Blick in schwindelerregende Tiefen frei geben. Man kann darüber fahren. Man muss das aber nicht. Wir sind lieber auf der kleinen Metallkante entlang gefahren. Danach geht es weiter in Richtung einer weiteren Lagune. Zuvor kommt aber die Hauptbrücke. Die ist wirklich hoch, wirklich alt und die Bahnschwellen genauso NICHT vertrauenserweckend. Dafür gibt es hier einen netten Fluss, je nach Jahereszeit unteschiedlich groß ist und der einen See speist. Am Ende der Brücke steht die Ruine eines alten Bahnhäuschens. Wir sind von hier aus nur noch ca 1 km abwärts gefahren und befanden uns dabei inmitten von Hügeln mit – na was wohl – Olivenhainen. (Wer soll eigentlich all diese Oliven essen?) Auf der Strecke bis zur Brücke gab es drei Picknickplätze, wovon zwei ganz passabel waren.

Unsere Zeit an der Via Verde Aceite

Wir haben wie gesagt jeder einen Tag alleine auf der Strecke zugebracht und einen kurzen Tage gemeinsam. Wir haben an den Strecke übernachtet und kannten nach kurzer Zeit jede Katze in jedem Bahnhof. Während der eine fuhr erkundete der andere die Parks von Cabra, die Stadt Luque auf dem Berg, die weiße Stadt Zuhero (und verursachte ein Verkehrschaos), streichelte Katzenbabies in Cabra und Luque und lief dem jeweils anderen entgegen um gemeinsam eine kleine Rast unter einer Feige bei Fuet und Getränk zu machen, bevor es für denen einen zurück auf die Strecke und den anderen zum Van ging. Gemeinsam besuchten wir die Berge oberhalbb Zuheros und picknickten abends an erreichbaren Plätzen, die wir tags mit dem Rad entdeckt hatten. Gemeinsam haben wir abends Zuhero noch einmal erkundet und die kleinen Gassen, die Hängebrücke und Burg bestaunt und von hier oben auf die Strecken gezeigt, die wir gefahren sind.

Zuhero:

Sierra über Zuhero

Infos

ACHTUNG: Spanier fahren oft nur in voller Rennmontour und in großen Gruppen auf Mountainbikes Fahrrad. Nicht immer kannst du davon ausgehen, dass Gruppen die dir nebeneinander auf dem Fahrradweg entgegenkommen Platz machen. Wir haben beide unabhängig von einander fast Frontalzusammenstöße gehabt. Ist nicht selten aber, eher die Ausnahme. Ein Zusammenstoß oder Abdrängen reicht aber schon. Die maximalen 20kmh pro Stunde werden natürlich weit überschritten.

Die Strecken sind definitv mit jedem Rad machbar und auch wunderbar zu erwandern, was sehr viele Spanier tun. Es gibt unterwegs Quellen und Restaurants. Scouts, die dir zur Seite stehen bei einer Panne, haben wir hier – anders als an der Via Verde Sierra – nicht gesehen, aber zu unserer Zeit gab es einen Fahrradmesse direkt am Bahnhof Donna Mendia.

In Estacion Luque gibt es eine Abzweigung, über die Straße. Die eigentliche Route führt aber geradeaus.

Eine Übersicht findest du auf der offiziellen Webseite der Via Verdes.
Im Jahr 2020 feiern die Via Verdes ihr 25 jähriges Bestehen in Sevilla und es wird noch weiter fleißig ausgebaut. Angepeilt ist ein ganzes Netz.

Den Bericht über die Via Verde Sierra findest du hier

Routenempfehlung

Möchtest du nur die schönste Strecke fahren hin- und zurück oder bist nicht sicher welchen Teil für dich der effektivste ist, ist das unsere Empfehlung:
Kurz und effektiv: (Picknick/Weiße Stadt/Viadukt/12km)
Donna Mencia und Luque
Bisschen mehr (Picknick/weiße Stadt/ Tunnel/ Viadukt/ Abseits/ 28km)
Luque – Cabra
Ordentliche Tour (Alles davor und mehr Viadukte/ einsam /43km)
Luque – Luncena.
Richtig viel Abwechslung und lang (Alles davor plus Lagunen und sehr große Brücken/ 67km)
Acaudete – Lucena

In den Bergen über Zuhero


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