2019,  Asien,  Kambodscha,  Thailand,  Unterwegs

Grenzübergang Poipet – Die Vorhölle Kambodschas

Wir hatten viel gehört über den Grenzübergang. Viele Berichte gelesen, dass Reisende von Menschen in Uniform abgefangen würden, die ihre Pässe einsammeln, um ihnen das Visum zu erstellen und anschließend an der Grenze muss man noch einmal bezahlen, weil es Betrüger sind. Dann wird gestohlen, Dinge behauptet, die nicht stimmen. Die Zollbeamten selbst verlangen ein zusätlziches Trinkgeld, ansonsten lassen sie dich stundenlang warten und auf der anderen Seite wartet dein Bus evtl nicht so lange. Dort müsstest du dich durch Betrüger, Bettler, Horden von Tuktuk Fahrern kämpfen, die dich irgendwo auf s Land karren und dann viel Geld verlangen, wenn du zurück willst. Andere sprechen dich an und laden dich ein, um dich bei Glückspielen zu berauben.
Manche Dinge würden uns nicht passieren, wie letzteres andere eventuell schon. Auf vielen Seiten im Netz der neueren Geschichte, scheint es besser geworden zu sein, wenigstens sind die Stories nicht mehr so dramatisch wie bisher gelesen.
Beruhigend für uns ist, dass inzwischen Busunternehmen darauf reagieren würden und ihren Passagieren Schilder um den Hals hingen, damit klar sei, dass sie bereits Busse haben und beim Übergang heißt es ganz einfach: Nicht den Pass aus der Hand geben. Und alles was Visum betrifft erst nach dem Ausstempeln aus Thailand suchen, damit ist das meiste erledigt.

Aus dem Grund buchen wir auf Koh Chang eine Bus Tour (das einzige Unternehmen, was auf Koh Chang buchbar ist für nur 600 Bath.

Abschied von Koh Chang


Natürlich denken wir wir haben alles richtig gemacht.
Wir haben mehrfach nachgefragt wir wir hinkommen. Die Tour bestehet aus Minibus vom Hotel über die Fähre bis zur Grenze. Dann geht s zu Fuß über die Grenze. Danach steigen wir in einen Big Bus bis Siem Reap. Big Bus war nicht nur günstiger sondern auch unsere Bedingung. Die können nicht so schnell fahren und die Überlebenschancen ab Reihe 4 sind größer.
Für unseren Host in Kambodscha, der uns am Busbahnhof abholen will erfragen wir noch den Namen des Busunternehmens das den Big Bus fährt. Olympic erfahren wir.

Was dann wirklich passiert:

Unser Minibusfahrer verpasst die Fähre, so dass wir eine Stunde am Ableger warten. Danach versucht er die Zeit aufzuholen.

Wir sind asiatische Fahrweisen gewohnt aber das hier ist schon grenzwertig. Mit 120 durch geschlossene Ortschaften mitten durch Kinder, Hunde, Rinder. Die Vorhänge zugezogen, weil die Sonne brennt.

Einen Kilometer vor der Grenze, hält der Minibus an einem Restaurant. Unser Gepäck wird ausgeladen, weil wir angeblich in den rotten großen Bus auf der anderen Straßenseite umgeladen werden sollen.
Plötzlich werden wir alle separiert. Jedem Pärchen sitzt ein Mitarbeiter gegenüber, der unsere Pässe verlangt, um das Visum zu bearbeiten.
Uns wird plötzlich klar, dass jetzt die Buscompanie ihre Fahrgäste dirket ausliefert bzw sogar selbst betrügt. 45 Dollar sollen wir bezahlen für das Visum (statt 30 an der Grenze).
Als ich frage, warum ich nicht, wie besprochen an die Grenze gefahren werde und darüber laufen kann, wird das Gegenüber sofort agressiv und fängt an rum zu brüllen. Die Holländerinnen am anderen Tisch schauen rüber. Dort gibt es die selben Diskussionen. Wir veruschen miteinander zu reden, was sie zu verhindern versuchen. Ich stehe auf und rufe rüber, dass sie hier genau das versuchen wovor wir gewarnt wurden. Das sehen die beiden genauso.
Wir verlangen unsere Aufkleber zurück, die man uns abgenommen hat. Diese Aufkleber hatte man uns angeklebt im Austausch für das Ticket, das wir abgeben mussten und wären die einzige Chance auf der anderen Seite zu beweisen, dass wir wirklich bezahlt hätten befürchten wir.
Es wird argumentiert, wir können über die Grenze gehen, aber dann würden wir niemals den Bus auf der anderen Seite finden.
Das Risiko gehen wir ein und die Holländer, ein weiteres deutsches Pärchen und wir laufen los Richtung Grenze.

Wir versuchen noch vor der Grenze einen Automaten zu finden, der Dollar hergibt, da wir das Visum angeblich mit Dollar bezahlen müssten und Bath hätten wir eh nicht mehr genug. Wir finden keinen. Durch den Höllenverkehr kämpfen wir uns entlang der LKW Schlangen Richtung Grenze und im Gegensatz zu unseren Erwartungen, helfen uns Menschen den richtigen Eingang zum Thailändischen Zoll zu finden. Links hinterm Zaun neben der Straße lang. Wir kommen zum Thailändischen Zoll zum ausstempeln. Abgesehen von den Holländern, die scheinbar an jeder Grenze in der Welt kontrolliert werden, kommen wir gut durch.

Gleich hinter der Tür kommt uns ein Kambodschaner entgegengebummelt, der uns unbedingt helfen will. Wir lehnen ab, aber er bleibt ab jetzt einfach immer an unserer Seite. Wir sehen etliche Visa Büros. Inzwischen misstrauen wir sogar den Straßenschildern, die zum echten Visa Büro weisen. Tatsächlich ist es ein Stück weiter auf der rechten Seite, nicht gleich hinter der Grenze und man erkennt es an denen im Internet zuvor oft bschrieben Mengen an Grenzbeamten, die alle auf Bänken und Stühlen herumlungern und auf den neuesten Iphones spielen, die sie mit Sicherheit nur auf eine Art finanzieren können.
Unser ungewollter Guide zeigt uns den Weg, ich lehne aber immer wieder ab und lese alles immer wieder selber. Am Ende stellt sich das alles als richtig raus.
Im Visum Büro frage ich nach einem ATM und man sagt mir 200 Meter weiter sei einer da könnte ich Geld holen. Mein „Guide“ lässt nicht locker mich dahin zu begleiten auch wenn ich ihm sage ich schaffe es alleine. Tatsächlich ist das Stresslevel extrem hoch. Der ATM befindet sich hinter der Grenze IN Kambodscha (auf der linken Seite nach dem Roundabout – gelbe Bank. Max 250$ 5$ Gebühr wie überall)
Infos zu ATM, Währung, Dollar, Riel und Simkarten findest du hier.
Er quatscht mit dem Beamten aber es fährt und läuft eh jeder durch. Der „Grenzüberang“ ist praktisch nicht als solcher erkennbar. Zwar gibt es rechts irgendein Häuschen, wo man rein sollte aber die Straße ist ein einziger Markt und niemanden schert es, wer rein und raus geht.
Ich laufe ohne die anderen zur Bank (und nebenbei ohne Internet, weil ich noch keine Sim für Kambodia habe, dh ich könnte evtl niemanden informieren, wenn ich hier fest säße).
Auf dem Weg werde ich schon von Busfahrern und Tuktuk Fahrern belagert, die allesamt nicht vertrauenswürdig erscheinen.
Scheinbar hält einzig mein „Guide“ sie zurück. Dann ohne Fragen zurück durch die Schneckenverkäufer und LKW Kolonnen zum Visum, wo Ute bereits alles ausgefüllt hat.
Die beiden Deutschen haben schon ihr Visum. Ohne Foto. 30$.
Von uns wollen sie 35$, wenn wir kein Foto haben, obwohl ja gerade wie an jedem Grenzüberang ein digitales Foto geschossen wurde. Zum Glück haben wir Fotos und reichen sie ihnen. Pech gehabt! Die Fotos landen im Müll und wir müssen nur 30$ zahlen. Die Holländer zahlen 35$. Also zu hundertprozent haben wir die Grenze nicht überteuert überschritten und die Korruption umgangen, wenn man die gesamte Gruppe betrachtet, wir allerdings schon. Tschaka!
Das schlimmste kommt allerdings erst noch, denn unser Guide hat bereits die wartenden Taxifahrer informiert und als wir ankommen will jeder der Fahrer des Minibusses sein, der die SIX People einladen will von Germany. Angeblich for free. Die Holländer sagen zu Recht, dass sie die Infos vom „Guide“ haben.
Ich bin sehr skeptisch weil wir Big Bus und nicht Minibus bezahlt haben, weil wir zu den Hotels gebracht werden sollen, was wir nicht gebucht haben und sehen nur noch Lügen.
Hier ausserdem strafen sich auch die Geschichten Lügen, dass Kambodschaner keine Agression kennen. Es wird auf einen weiterern Taxi Fahrer eingeprügelt, wir werden angeschrieben, geschubst und verhöhnt.
Wir sind komplett verunsichert. Es gibt keinen Big Bus, die anderen, die nicht abgehauen sind, finden wir auch nicht, der Busbahnhof liegt eigentlich 2 km weiter, wohin es einen kostenlosen Bus geben soll, aber unser Bus sollte direkt hier abfahren, stattdessen stehen große Busse zur Abfahrt bereit zwischen den beiden Grenzen, denn da gibt es auch noch Hotels.
Kein Bus heißt Oylmpic und mein Host schreibt inzwischen, dass Olymic die Strecke nicht fährt.
Die Busfahrer bedrängen uns in einen klapprigen Bus einzusteigen, das wäre der Minibus, der uns ins Hotel fährt und er wäre gratis wäre ja schon bezahlt für 6 Leute. Wir befürchten dass wir irgendwo auf s Land gefahren werden. Warum sollte ich meinen Sprit bezahlen um euch umsonst zu fahren, schreit der Fahrer. Ja gute Frage…
Wir gehen ein paar Meter weiter und finden gegenüber der Bank wirklich einen Polizisten der Touristenpolizei und fragen ihn, ob er weiß wo der Bus starten könnte. Ute zeigt die Aufkleber und er ruft einen Nummer an. Keine 20 Sekudnen später steht der selbe agressive Busfahrer vor uns und schreit warum wir die Polzei rufen schließlich würde er uns fahren.
Die Holländer fragen nach, ob er eine Passagierliste hat. Ja. Können wir die sehen? Nein. Wir fragen nach welches Busunternehmen er hat und warum nicht Olympic fährt. Er wird agressiv. Irgendwie passt nichts zusammen.
Wir gehen zurück an die Stelle wo die ganzen Taxifahrer stehen. Der Polizist sagt wir könnten dem Mann vertrauen. Ich bin mir da nicht sicher.
Unser Guide sagt das allerdings auch. Hmm.
Irgendwann erscheinen anderer Touristen aus anderen Bussen und Ute und die anderne bringen in Erfahrung, dass sie mit dem Minibus weiter fahren sollen. Sie haben nebenbei die 45$ aus der anderen Richtung bezahlt und mussten dann dennoch genauso wie wir laufen.
Währenddessen haben die Kambodschaner mich als angeblichen Redelsführer ausgemacht, was definitv nicht der Fall ist, aber Frauen kommen da wohl nicht in Frage und so werden sie mir gegenüber immer agressiver als ich mich hinsetze und sage: Ich bin raus. Ich weiß nicht weiter. Sie verhöhnen mich. Einer tanzt laut klatschend um mich rum und singt im „ätsch“-Tonfall Happy birthday und klatscht mir dabei ständig ins Gesicht. Als er mich anfasst fahre ich ihn an er soll mich nicht anfassen.
Der „Guide“, den wir noch mehrere male klar gemacht haben, dass wir ihn nicht brauchen, fängt nun plötzlich an mir zuzuraunen, dass er Tip wolle. Im Nachhinein aus der Distanz betrachtet, hätte man das auch machen können, in dem Moment aber waren wir so genervt, dass ich nein sage und er raunt mir zu: „If I were you, I wouldn´t go with them“, nachdem er uns die ganze Zeit versucht hatte in diesen Bus zu setzen.
Wie entscheiden?
Ich ziehe mich zurück und lass die Mädels alleine entscheiden und sie entscheiden richtig: Was kann uns im schlimmsten Fall passieren, wenn wir in diesen Bus einsteigen? Irgendwo draußen ausgesetzt werden. Aber wir sind recht viele und es sind auch andere ausser uns dabei. Drei genau genommen. Und so steigen wir irgendwann ein und man kann es nicht glauben: Es läuft alles rund. Wir sind bis jetzt sicher, dass das nicht unser Busunternehmen war. Warum die uns am Ende umsonst gefahren haben ist nicht klar. In der Hoffnung bei dem kleinen Stopp am Laden der Eltern (?), dass wir was gekauft hätten, oder haben sie was dafür bekommen, dass sie außerhalb Siem Reap anhielten für die Tuktuk Fahrer?
Letztendlich war uns eh klar, dass wir mit dem Tuktuk weiter mussten, da die Busbahnhöfe ausserhalb liegen.
Dass wir nun nicht an einem Busbahnhof sondern nur 2 km vor der Stadt in einem Hinterhof halten, wo die Tuktukfahrer uns umsonst zum Hotel fahren wollten, ist dabei vollkommen ok.

endlich angekommen in Siem Reap


Auch der Deal des Tuktuk Fahrers, uns umsonst zum Hotel zu fahren, wenn wir ihn für die Tour durch Angkor Wat buchen würden, ansonsten würde er uns nur umsonst ins Stadtzentrum fahren, ist fair. Er begründet auch sofort, dass sie arm seien und versuchten so Geld zu verdienen.
Da ich ungerne so einen Handel eingehe, sage ich ihm, ich gebe ihm 2$ zum Hotel und dann soll er mir seine Whatsapp geben. Wer weiß.
Und so machen wir es. Und tatsächlich schreiben wir ihn ein paar Tage später an und er schickt uns einen Freund, der besser englisch spricht und wir machen eine gute Tour.
Unsere anderen Leidensgenossen sehen wir ein letztes mal an einer Kreuzung, wo unserer drei Tuktuks in verschiedene Richtungen auseinander streben. Es blieb nicht mal Zeit sich zu verabschieden.
Aber erstmal checken wir im Cashew Nuts Villa ein. Leihen uns Geld für den Tuktuk Fahrer, weil er auf 5$ Dollar nichts rausgeben kann – ist halt arm – und streifen durch die Stadt die so viel dörflicher als städtisch ist.
Dann beschließen wir, wir brauchen einen Tag zur Erholung.

Fazit: Auch heute noch: Nie wieder Poipet, kein Busunternehmen, man kann keinem trauen. Das scheint für viele Übergänge zu stimmen. Beim Übergang nach Vietnam, wo man bereits Visa besitzt, ziehen sie die gleiche Nummer mit Stempelgebühren ab. Wir überqueren Grenzübergänge nur noch auf eigene Faust. Das Land ist durch und durch korrupt, wie man auch später noch mitbekommen wird. Dennoch werden wir in den nächsten Wochen hauptsächlich liebenswerte Menschen treffen.


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