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Wie war Rumänien

Nachdem wir in so vielen Ländern waren, von denen wir immer etwas anderes erwarteten, als wir dann vorfanden, kann man fast nicht glauben, dass wir dennoch ein komplett anderes Rumänien erwarteten, als das, welches wir dann kennenlernen durften.
Heute fragen wir uns manchmal, was wir eigentlich erwartet hatten.

Kleine Straßen? Kleine Felder? In die Jahre gekommene russisch angehauchte Dörfer mit einer russischähnlichen Sprache? Sinti und Roma und Menschen, die genau so aussehen? Armut und Pferdewagen?



Wahrscheinlich.
Und Pferdewagen gibt es auch ab und zu. Wirklich schön. Aber heute steht Rumänien für uns für ein wunderschönes Land, mit teils sehr sehr modernen Gegenden, (je nach Region) hübschen Städten, riesigen Agrarlandschaften mit hochmoderner Agrartechnik, moderne Straßen, eine wunderschöne italienisch klingende Sprache (die dem Latein nächste Sprache), sehr freundliche Menschen, meistens einen sehr, sehr, sehr angenehmen zuvorkommenden Verkehr (Ausnahmen gibt s immer), eine Teletubbielandschaft, einen deutschen, einen ungarischen und einen rumänischen Teil: Rumänien, das eigentlich mehrere Rumäniens ist.

Im Süden und Osten liegt die Walachai und die ist genau das, was man sich unter dem Begriff vorstellt, nur dass man hier durch endlose riesiege Felder fährt.
Mitten drin liegt Bucarest, die in den Außenzirken und Malls alle Läden und Supermärkte, die man aus Deutschland und Frankreich kennt, beherbergt. (Kaufland, Rossmann, XXL Lutz, Auchan, Lidl, Ikea, Müller, DM, Decatlon …)
Es gibt sogar Fritz Kola!



Die Städte hier sind im Umschwung. Man sieht Orten wir Konstanze (an der Küste) an, dass sie genau zwischen “verfallen” und “wird bald richtig teuer” stehen. Das gilt zu einem gewissen Teil auch für Bucarest. Auffällig hier sind die Jugendstilbauten, die enormen Brunnenanlagen, das zweitgrößte Gebäude der Welt, aber auch die vielen Erotiketablissements zwischen den Restaurants in der Altstadt.

Das Land wird dann nach Norden einmal durch die Karparten durchgeschnitten. In dem Gebirge befinden sich nicht nur ganz tolle Gebirgstraßen, sondern in deren Tälern auch die vielen tollen Burgen und Schlösser (wobei das Dracula Schloss für uns das langweiligste war). Hier ist Rumänien, teils wie ein deutscher Kurort in Baden Württemberg.

Nördlich der Karparten ist man plötzlich in Deutschland. Die Gegend heißt Transilvanien oder Siebenbürgen. Hier wurden damals deutsche Siedler von den Österreich-Ungarn angesiedelt, die teils auch seit hunderten Jahren hier leben. Viele kleine evangelsiche idyllische Dörfer und Städte kann man hier zwischen Teletubbiehügeln besuchen und natürlich die gesamten Wehrkirchen und Bauernburgen. Dass hier sogar Beschilderungen auf Deutsch angebracht sind war erstaunlich. Die Städte könnten allessamt in Deutschand liegen.



Im Norden von Transilvanien liegt dann noch Maramuris. Das ist fast Siebenbürgen nur ein wenig höher und einen andere Kultur, nämlich viel traditioneller und ungarisch geprägt. Hier gibt es diese sehr hohen Holzkirchen und Klöster und es soll eine der traditionellsten Ecken Europas sein. Noch.

Es gibt noch weitere Ecken zB Südwesten und Nordosten, aber die lassen wir jetzt mal aus.


Resumé:

Wir waren hellauf begeistert und eigentlich dürfte man es nicht so laut rausposaunen, aber zum Glück lesen nicht so viele diesen Blog.

Viele Reisenden hatten uns auf dem Weg gesagt, Rumänien wäre das Land gewesen, das sie am schönsten fanden. Ich würde sagen, es gehört zumindestens zu den überraschendsten.



In Rumänien gibt es das riesige Donaudelta, das mit Booten befahren wird und in dem unerreichbare Dörfer liegen und Pelikane leben, es gibt in vielen Gegenden Bären, was das frei Zelten (was erlaubt ist) auf natürliche Weise einschränkt, aber auch wunderschöne Rad- und Wanderrouten.
Es gibt wunderschöne Orte mit tollen Cafés #intausendcafesumdiewelt und es gibt Orte in denen die Kühe abends zurück ins Dorf kommen und in ihre jeweiligen Häuser abbiegen und es gibt Schlammvulkane, enorm Hohe Holzkrichen und bunte Friedhöfe. Es gibt Orte an der Donau, an denen der gesamte Verkehr (noch) über Lastkähne übergesetzt wird und moderne Autobahnen für gerade mal 7€ Maut im Monat. Es gibt sehr viel Internet für wenig Geld. (Wir haben es (56GB) sogar geschenkt bekommen). Es gibt wirklich freundliche Menschen und ich habe noch nie erlebt, dass ich so oft im Verkehr vorgelassen wurde.
Grosse Kreuzungen (die können sie wirklich nicht gut), wären nämlich ohne Rücksichtnahme gar nicht möglich (Bucarest). Besonders Bahnübergängen sollte man in dem Land auch nicht trauen, die sind ziemlich holperig.
Die Straßen sind durchweg in gutem Zustand, man muss schon extra eine alte Strömungsfähre suchen, um über Sandwege geleitet zu werden.



Straßenhunde gibt es viel viel seltener als in der Türkei, Griechenland und Albanien. Wir haben auf der ganzen Reise 6 getroffen und wurden unser Futter nicht mehr los.

Und ja es gibt sie die armen Menschen. Manchmal ganze Dörfer. Die zeichnen sich meistens dadurch aus, dass das ganze Leben auf der Straße stattfindet. Alle sind draußen. Hier sieht man auch die meisten Pferdekutschen.

In Rumänien ist das freie Stehen erlaubt, was an der Schwarzmeerküste extrem sein soll. Die Plätze haben wir aber nicht besucht. Im Süden Rumäniens beschränken sich die guten Plätze auf Wiesen an der Donau oder an Flüssen generell, im Norden gibt es dagegen viele tolle Orte.



Die Währung Lei kann meistens mit Karte bezahlt werden, aber Geld abheben war hier eigentlich immer kostenlos. Das Netz ist besser als in Deutschland, aber das ist es auch in jedem Entwicklungsland so. Also anders: Das Nezt ist gut. Wir waren diesesmal bei Vodaphone.

Die Preise im Land sind in Ordnung. Natürlich kostet ein hipper Kaffee in gut besuchten Orten mit Coffeeroasters auch seine 3€. Ist halt ein EU Land, wenn auch nicht im Schengen, weshalb ihr an den Grenzen kontrolliert werdet. Das Problem mit der Freundlichkeit an den Grenzen, gibt es aber nur zu Ungarn und dort nur am ungarischen Häuschen. Wie leider zu erwarten war.

Rumänien ist so schön, dass wir uns wirklich vorstellen könnten, dort zu wohnen. Rumänien wird in jeder Berichtserstattung vollkommen übersehen und wenn es eine gibt, dann nur wenn irgendwelche Klischees erfüllt werden. Ein Land mitten in Europa, das es irgendwie nicht gibt, das daher ein sehr gutes Leben führen kann, ohne überrannt zu werden.
Und noch ein Klischee muss beiseite geräumt werden: Rumänen sehen nicht aus, wie Sinti und Roma. Rumänen kannst du ganz sicher – wenn das überhaupt wichtig ist – äußerlich nicht von uns unterscheiden.

Unser Monat in Rumänien hat dazu geführt, dass ein Wagen mit einem Kennzeichen mit rumänischen Nummernschild, bei mir nicht mehr das Gefühl auslöst, einen verarmten händeringend nach Arbeit suchenden Menschen zu sehen, sondern wir beide freuen uns wie bekloppt, würden am liebsten hallo sagen, wenn es nicht so komisch rüber kommen würde.

Stattdessen denken wir jetzt: Einer von den tollen Leuten ist hier bei uns. Wie schön ist das denn? Hoffentlich behandeln unsere Landsleute sie genauso freundlich wie sie uns.


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